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Gib es eine Gerechtigkeit im Arbeitsleben?

Der Verein „Kirche im Dorf e.V.“ aus Binnen hat mit Prof. Dr. Jens Schubert von der Universität Lüneburg einen Experten gewonnen, der eine aktuelle politische Diskussion mit den Grundwerten unserer Gesellschaft verbunden hat.

 
Portrait: Jens Schubert

Die Frage oder Suche nach Gerechtigkeit ist alt. Es scheint sogar so zu sein, dass die Frage nach gerechter Behandlung, nach Gerechtigkeit insgesamt zu den ältesten Fragen überhaupt gehört. Auch das Arbeitsleben wird von dieser Diskussion nicht ausgespart. Schlägt man die Zeitung auf, dann ergeben sich ganz zwangsläufig Fragen darüber, ob Stundenlöhne von 2,50 € gerecht sind, ob Mindestlöhne einzuführen sind oder ob es gerecht ist, dass der Leiharbeitnehmer und der Festangestellte bei gleicher Leistung unterschiedliche Gehälter erhalten. Diese tagespolitischen Fragen mit dem „alten“ Begriff der Gerechtigkeit zu verknüpfen, war Inhalt der Veranstaltung in der Kirche in Binnen.

Um diese Verknüpfung herzustellen, war es wichtig, den Begriff der Gerechtigkeit zu definieren. Dies geschah mit Hilfe der Bibelstellen 2. Buch Moses Kapitel 21 Verse 23, 24 und Matthäus 20 sowie mit dem philosophischen Ansätzen von Aristoteles. Eine kurze Definition zu geben war gleichwohl schwer. Jedenfalls hat der Begriff der Gerechtigkeit irgendetwas mit Angemessenheit zu tun, die im Einzelfall und nach konkreten Kriterien zu bestimmen ist. Dementsprechend schwierig war die Übertragung der Gerechtigkeitsidee auf das Arbeitsleben. Auch hier gibt es keine einfachen Antworten. Um sich dem Thema aber weiter seriös anzunähern, wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes in Deutschland dargestellt. Hierzu gehörte auch das Grundgesetz.

Der hierauf folgende Abschnitt war der am intensivsten diskutierte. Von allen Themen war es dabei der Mindestlohn, der die Gemüter am stärksten berührte. Neben den verschiedenen arbeitsrechtlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Modellen war es hier in der Kirche zu Binnen auch die Frage, ob ein Lohn nicht mindestens so bemessen sein muss, dass der Arbeitnehmer und seine Kinder so leben können, dass sie wertvolle Teile der Gesellschaft sein können. Juristisch gesprochen: Wo ist die Grenze zur Sittenwidrigkeit? Unabhängig davon, dass es – selbstverständlich – verschiedene Meinungen gab (gesetzlicher Mindestlohn oder Regelung durch Angebot und Nachfrage oder Regelung durch allgemeinverbindliche Tarifverträge), bestand an einer Stelle Einigkeit: Das Thema gehört auf die Agenda der Politik und muss mit Gerechtigkeitserwägungen verknüpft werden. Nur mit ökonomischen Betrachtungen wird man dem Thema nicht gerecht. 

 „Kirche im Dorf e.V.“ wird diesem Vortrag weitere Veranstaltungen mit gesellschaftspolitischen oder tagesaktuellen Themen  folgen lassen.